Grundlagen: Musik als Wirtschaftszweig

und warum Musik nicht kostenlos ist!

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Musik wird konsumiert - und es gibt offensichtlich schon immer eine Nachfrage / einen Bedarf, Musik zu hören.

Wie bei allen anderen Gütern berechtigt dies die Erzeuger der Musik dazu, dafür andere Güter (die sie selbst zum Leben brauchen) zu erhalten - sei es im frühen Tauschhandel oder in einer moderneren Geldwirtschaft. Im Sinne der Menschrechte und -würde ist es auch nach modernen Gedankengängen selbstverständlich, daß Musiker nicht durch Almosen gelegentlich mal gnädig ernährt werden dürfen, sondern das Recht haben, für ihre Arbeit bezahlt zu werden. Im Laufe der Zeit hat sich dabei zum Schutze der Musiker in fast allen Rechts-systemen der Welt der Grundsatz durchgesetzt, daß Musiker am Erfolg ihrer Arbeit beteiligt werden müssen. Deshalb ist es auch in der ganzen Welt nicht möglich (von wenigen Ausnahmen abgesehen) "Kompositionen oder Aufnahmen zu kaufen". Eine Firma (z.B. Plattenfirma oder Radiosender) kann Verbreitungsrechte oder Senderechte kaufen - aber die Musiker sind zwangsweise immer an den Einnahmen beteiligt.
Das wurde eingeführt, um Musiker vor Plattenfirmen, Radiosendern und Filmproduzenten zu schützen, da diese sonst vor allem unbekannte Musiker nach Strich und faden ausplündern könnten.
Wie weit dieser Schutz praktisch geht, ist allerdings heute in manchen Fällen zweifelhaft. Gegen Plattenfirmen und Musikerverlage (siehe auch andere Seiten zu diesen verschiedenen Firmen) sind Musiker gut abgesichert. Ein Komponist erhält mindestens 50% der Einnahmen des Verlags (ausser beim heute seltenen Notendruck), für die Rechte zur Auswertung eines pressreifen Bandes für CDs sind es mindestens 12 bis 20% des Einkaufspreises der Händler.
Gegen Radiosender geht der Schutz allerdings nicht weit - hier erhalten Komponisten ca. 1,5 % der Einnahmen eines Senders, Musikverlage ca. 0,7 %, Musiker (Interpreten) ca. 0,5 % und Plattenfirmen ca. 0,5%. Da Radiosender meisten nicht einmal erwähnen, was sie spielen, und damit nur geringfügig zur Werbung für Musiker beitragen, sind diese niedrigen Sätze lächerlich.


Das Erzeugen von Musik ist wie oben erwähnt ein Berufszweig - und zu diesem gehören in der modernen Zeit wie bei allen anderen Branchen auch diverse Nebentätigkeiten (z.B. bei Verbreitung, Inkasso, Verwaltung, Marketing etc.).

Der Berufszweig Musiker im engeren Sinne ist historisch in zwei verschiedene Zweige geteilt:

Es zeigte sich bereits vor langer Zeit, daß Komponisten, die sehr gute Ideen haben, nicht unbedingt auch die besten Interpreten sind - und umgekehrt viele hervorragende Interpreten nicht unbedingt auch fähige Komponisten sind.
Heute werden im modernen Urheberrecht beide Berufe und ihre Produkte unabhängig als eigenständige Rechte anerkannt - obwohl sie bei Konsum und Verwertung untrennbar verknüpft sind.
Bei den "Interpreten" kann man ausserdem inzwischen zwischen Stars (auch wenn sie noch nicht erfolgreich sind) und den eher handwerklichen Begleitern unterscheiden. Ein "Star" muß keineswegs sein superber Interpret sein, sondern vor allem medienwirksam und charismatisch. So kommt es öfters vor, daß technisch mehr oder weniger schlechte Amateursänger (z.B. Mitspieler von TV-Shows wie "Big Brother" oder auch einige Schauspieler) manchmal als Stars mit Singles und manchmal sogar Alben vermarktet werden. Solche "Musiker" verdienen prozentual Geld an dem Erfolg und werden vor allem dafür bezahlt, als nette Verpackung für die Musik den Kopf hin zu halten.
Die Ansprüche an die eigentlichen Musiker wie Gitarristen, Schlagzeuger, Bassisten, Keyboarder und zusätzlich auch Toningenieure und Klangdesigner sind völlig anders. Hier geht es um handwerklich enormes Können - und manchmal (bei Konzerten) zusätzlich auch um Belastbarkeit, Reisebereitschaft, Zuverlässigkeit. Die Bezahlung für in Insiderkreisen bekannte Musiker dieser Art ist oft recht gut und nicht vom Erfolg der Produkte abhängig.

Historisch kommt hin und wieder die Idee auf, daß Musik ja auch ein Hobby ist, fast jeder dieses Ausüben kann und deshalb eigentlich die Berechtigung zu einem Einkommen nicht sicher sei.

Ursprünglich bezog sich das vor allem auf die Interpreten - inzwischen wird diese Idee häufig auch auf Komponisten bezogen und der Mehrheit der Bevölkerung ist der Unterschied nicht klar.

Wie grotesk diese Auffassung ist, kann man leicht sehen, wenn man sich einige andere Berufe ansieht, deren Tätigkeiten auch von Amateuren ausgeübt werden. Zum Beispiel Handwerker - es gibt neben unzähligen Hobby-Musikern auch unzählige Hobby-Handwerker. Trotzdem kommt man nicht auf die Idee, daß die Arbeit eines professionellen Handwerkers nichts wert sei.

Andere Beispiele sind z.B. Radio-Moderatoren (jeder redet gerne - und viele Menschen sind in der Lage, ein paar nette Worte mit einer guten Stimme vorzutragen) und Sportler. Fast jeder Deutsche treibt irgend einen Sport - trotzdem ist es selbstverständlich, daß ein Fußball-Profi Geld verdienen muß und darf.


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Author: Alex Merck für MEBIS

Last Updated: 18.Juli 2000