c 2000 Music Economy Basic Information System (MEBIS)
Vor den technischen Fortschritten war das Musikgeschäft" sehr klar. Wer Musik hören wollte, musste zahlen.
Eine Dorfgemeinschafte gab den reisenden Musikern Geld - oder
diese hörten auf, Musik zu machen, beziehungsweise kamen nicht
in einen Ort zurück.
Fürsten und Kirche leisteten sich zum Teil eigene Musiker - mit
Aufträgen beziehungsweise Dauer-Anstellungen
Diesen Bereich könnte man als eine der ersten Formen von
werbefinanziertem" Konsum sehen, da die Auftraggeber hiermit
ihre Popularität steigerten.
Mit dem Notendruck war die erste technische Veränderung
möglich - Kompositionen konnten leicht verbreitet und an
verschiedenen Orten von verschiedenen Musikern aufgeführt
werden.
Die Komponisten konnten durch den Verkauf der Noten bezahlt
werden.
Da die Fähigkeiten zu Herstellung und Handel der Noten nicht
Sache der Komponisten war und ist, kam das Verlagsgeschäft auf.
Die Komponisten werden (zumindest heute) am Ergebnis des Verkaufs
ihrer Werke beteiligt.
Die Interpreten wurden weiterhin für ihre Leistung direkt bezahlt.
Durch die technische Revolution Radio entstand die Möglichkeit, Musik gleichzeitig für sehr viel mehr Hörer zu verbreiten, die nicht mehr im direkten Zugriff der Musiker oder der Sender waren und deren Zahl nicht überprüfbar war.
Es entstand ein heute noch existierender Verteilungskampf zwischen
den Machern der Sender und der Musikbranche.
Ohne die Möglichkeit zur Speicherung von Musik (Tonband,
Schallplatte etc.) war erfolgte die Bezahlung der Musiker
entsprechend ihrer Popularität und Arbeitszeit. Das direkte
Problem betraf erst einmal die Komponisten, deren Stücke
aufgeführt wurden, da diese nicht im Studio anwesend sein
mußten und die Kontrolle schwierig wurde.
Durch Tonträger betrifft das Problem heute auch die Interpreten und ihre Vertreter.
Nach vielen Verteilungskämpfen müssen die Radiosender
heute ca. 3 % ihrer Einnahmen, gesetzlich und vertraglich geregelt
eine adequate Kompensation" für die Nutzung von Musik
zahlen.
Davon wird der größte Teil an die Komponisten (und
Verlage) gezahlt. In einigen Ländern wird mit dem Argument der
kostenlosen Publicity" den Interpreten und ihren Partnern, den
Tonträger/ Produktionsfirmen noch fast nichts aus dem
Radiosektor bezahlt.
Heute erfolgt der größte Teil des Konsums von Musik durch
das Hören von Radiosendungen - während der vergleichsweise
geringe Konsum von Tonträgern in erster Linie der Befriedigung
der Sammel-Leidenschaft sowie der direkten Bequemlichkeit des Zugangs
dient.
Tonträger ermöglichten seit diesem Jahrhundert, daß Musik immer wieder konsumiert werden kann, auch wenn dazu nur ein einziges Mal eine Aufführung und Aufzeichnung stattfand.
Für den Konsumenten ist das ein enormer Fortschritt, der die Kosten für den Konsum massiv reduzierte.Bei einem Konzert, das außerdem selten überhaupt möglich ist, zahle ich beachtliche Beträge für ein kurzes Erlebnis.
Von einem Tonträger kann ich das (vielleicht etwas weniger
intensive) Erlebnis immer wieder haben - und zwar sogar eine ganz
spezifische Stimmung vorher auswählen und konsumieren.
Da ich den Tonträger nur einmal bezahle, sind die Kosten enorm
gesunken.
In der Verbindung mit Broadcasting (Radio) gibt das wiederum den
Radiosendern die Möglichkeit, ihre Kosten massiv zu senken. Das
ermöglichte über die Jahre eine enorme Zunahme der Zahl der
Radiosender, die eigentlich nur von den Grenzen der jeweils
erhältlichen Sendetechnik sowie in manchen Ländern durch
gesetzgeberische Schranken (keine Privatradios wegen der politischen
Risiken etc. in einigen Ländern) begrenzt wurde.
Man stelle sich nur einmal vor, welche Kosten es verursachen
würde, wenn jede Musiksendung live" gespielt würde.
Pro Zuhörer wäre das zwar immer noch sehr viel, läge
jedoch weit über den heutigen Kosten von ca. DM 4,- pro Minute,
die eine ARD-Anstalt an die Musikbranche zahlt.
Man kann sich wohl kaum vorstellen, daß man eine Gruppe von
Musikern für ein einstündiges Konzert für DM 240,00
bekommen würde. Bei nur 4 Musikern würden jeder Musiker
mit einer hypothetischen An- und Abreisezeit von je zusammen nur zwei
Stunden insgesamt DM 60,00 für 3 Stunden Arbeit vor
Abzügen für Reisekosten und Material bekommen. Selbst ohne
Probezeit einzubeziehen, ergäbe sich hier ein Stundenlohn von DM
20,00 brutto.
Bei dieser Lage wäre es klar, daß fast jeder
vernünftig denkende Mensch eine Tätigkeit als
Strassenreiniger, im Baugewerbe oder als Verkäufer vorziehen
wird.
Deshalb sind die heutigen Regelungen für die Musikbranche extrem
problematisch. Bisher hat die Branche noch keine akzeptable
Lösung für diese Technologie gefunden. (siehe getrenntes
Paper - Radiosender - Freund und Helfer oder Schmarotzer
?")
Die Filmbranche ist von der Sendetechnologie - und inzwischen auch
von der Duplikationstechnologie (Videocassetten und jetzt DVD) ebenso
betroffen wie die Musikbranche.
Im Gegensatz zur Musikbranche bestand aber für die Filmbranche
erst sehr viel später ein Einnahmepotential aus der Verbreitung
der Duplikate. Deshalb war es für die Filmbranche absolut
überlebensnotwendig, andere Konzepte im Umgang mit den Sendern
zu finden.
Und so ist es heute auch undenkbar, daß TV-Sender eine
pauschale Genehmigung zur beliebigen Sendung von Filmen gegen die
Entrichtung einer Jahrespauschale erhalten könnten.
Durch die Entwicklungen der Computertechnik und die fallenden Preise für Computerleistung sowie Speichermedien ist die Produktivität der Musik zumindest bei der Umsetzung musikalischer Ideen massiv gestiegen.
Die Produktivität im Sinne guter Ideen ist allerdings kaum steigerbar. Auch heute schreibt ein sehr fähiger Komponist von Popsongs normalerweise nicht mehr als 8 bis 10 gute Songs pro Jahr. Selbst das ist - Selbstplagiate einmal ausgenommen, schon eher als Glanzleistung zu sehen.
Durch die Massenherstellung von bespielbaren Cassetten und die
Technologie der Cassetten-Rekorder von Phillips bekam in den 70er
Jahren dieses Jahrhunderts der Konsument ein Mittel in die Hand,
Musik zu kopieren.
Mit dem Argument, daß der Käufer einer Schallplatte ja das
Recht erworben habe, die erworbene Musik überall und jederzeit
zu hören, wurde es erlaubt, Musik für den privaten Bedarf
zu kopieren.
Diese gesetzliche Erlaubnis diente allerdings nur einem Zweck - daß der Konsument die Musik eben auch im Auto oder unterwegs hören können sollte, seit dies technische möglich und wirtschaftlich durchführbar wurde.
Die Elektronik- und Chemiefirmen (u.a. Phillips, Sony, BASF,
Bayer, 3M) konnten mit ihrer politischen Lobbyarbeit das Verfahren
einer minimalen Kopierabgabe durchsetzen. Diese beträgt in den
meisten Ländern ca. DM 0,15 pro Stunde Spielzeit einer Cassette.
Jede nicht exakt im Sinne des Gesetzes genutzte Cassette richtete
allerdings eine Einkommens-Einbuße in Höhe von DM 4,-- an
( ca. DM 1,50 Interpret, DM 1,50 Komponisten und Verlag, mindestens
DM 1,-- für Werbekosten des Tonträgerherstellers - ohne die
Schäden bei Vertrieb, Handel, Umsatzsteuereinbußen
etc.).
Die Folge war ein fast vollständiger Ruin der Musikbranche weltweit.
Auch wenn das heute nicht so offen gesagt wird, war die Krise der
Musikbranche Anfang der 80er Jahre nicht etwa durch ein paar
Fehlinvestitionen z.B. in die Neue Deutsche Welle"
ausgelöst, sondern eine direkte Folge der Kleinkriminalität
des Kopierens.
Das Problem konnte teilweise gelöst werden durch die
Einführung der Compact Disk".
Dabei war der wichtigste Effekt nicht die Preissteigerung, die
eigentlich nur die allgemeine Inflation der letzten 10 Jahre
ausgleichen konnte, in denen der Preis für Schallplatten
inflationsbereinigt konstant gefallen war, sondern der
Qualitätsvorsprung des neuen Verbeitungsmediums.
Auch wenn das den eigentlichen Haupt-Musikkonsum per Radio nicht tangiert, konnte der Sammlermarkt zurück gewonnen werden, weil eine Cassettenkopie klanglich deutlich schlechter war als ein Original.
Die CD-R ist die perfekte Weiterentwicklung des Konzepts der
Compact Cassette - allerdings durch ihre breitere Verwendbarkeit noch
schwieriger in den Griff zu bekommen.
Um eine Idee vom Ausmaß des Problems zu bekommen, benötigt
man nur wenige Fakten:
Die ersten Studien in verschiedenen europäischen Ländern zeigen, daß zwischen 30% und 60 % der verkauften CD-Rs zum Kopieren von Musik genutzt werden.
Legale Backups eigener Daten sind für ca. 10% der verkauften CD-Rs zutreffend. Der Rest wird für illegale Kopien von Nutzsoftware, Spielen und Musik verwendet.
Welchen Betrag die meisten Konsumenten aus Sicht der CD-R-Hersteller bereit sind, für ein gutes Gewissen und Legalität beim Kopieren von Musik zu zahlen, zeigt die Preisgestaltung für legale Musik- CD-Rs", die ursprünglich für ca. DM 6,00 bis DM 8,00 (also mit DM 4,-- bis DM 6,-- Aufpreis) angeboten wurden.
Dabei wurde verschiegen, daß die tatsächlich für
diese Musik-CD-Rs an die GEMA zur Verteilung an die Musikbranche
gezahlte Abgabe DM 0,15 pro CD-R beträgt.
Abgesehen davon ist eine Kopie auf CD-Rs nicht mit der eigentlichen
Begründung der erlaubten Privatkopie" vereinbar, da die
CD-R Kopie nirgenswo verwendet werden kann, wo das Original nicht
auch verwendet werden kann.
Es handelt sich auch in Hinsicht auf die Verwendbarkeit um einen
Clone des Originals und nicht etwa um eine abgewandelte Kopie.
Die modernen Datenreduktionsverfahren ändern an der
grundsätzlichen Problematik nichts, sondern stellen nur eine
Verstärkung des Problems dar.
Zur Zeit kann man davon ausgehen, daß die Schäden durch
MP-3 die auch sonst schon existierenden Schäden nur
verstärken - ein neues grundsätzliches Problem ist diese
Datenreduktion nicht.
Das Internet stellt einen Quantensprung hinsichtlich der Verfübarkeit jeglicher nicht-körperlicher Waren dar. Gleichzeitig demokratisierte" es massiv die Möglichkeiten der Publikation bereits in der ersten Phase seiner Einführung.
So ist es mit minimalem Aufwand durch das Internet möglich,
eine Zeitschrift, Zeitung oder beliebige andere Text-Publikation
weltweit zugänglich zu machen.
Die Kosten für eine kleine (selbst herausgegebene) Zeitschrift
sind durch die Angebote zur kostenlosen Unterbringung von
persönlichen Seiten bei vielen Providern auf Pfennigbeträge
gesunken.
Auch die Verbreitung von Musik - und inzwischen auch Radioprogrammen
- ist durch das Internet heute zu absolut minimalen Preisen auch
für jeden Menschen möglich, der daran ernsthaft
interessiert ist.
Das wird zur Zeit von zahlreichen Internet-Serviceanbietern dazu genutzt, Musikern anzubieten, ihre Musik für den Endverbraucher kostenlos in das WWW" zu stellen. Dafür bezahlt der Musiker dann den Serviceanbieter.
Einige Firmen machen etwas bessere Angebote - sie bieten Musikern an, gegen eine gewisse (oft hohe) Beteiligung am Ertrag durch Downloads" ihre Musik im WWW" zu verkaufen.
Für einen Nachwuchsmusiker sieht das sehr gut aus : er glaubt, die ganze Welt wird ihn hören können und irgendwann einmal werden dann alle 100 Millionen Internet-Besucher eine CD von dem Musiker kaufen, weil seine Musik ja so gut ist.
Die Tatsachen zeigen im Gegensatz zu diesen Traumvorstellungen bereits heute, daß die Situation dieser Musiker (und aller anderen) dadurch nur noch schlechter wird:
Es gibt Millionen Websites und auf die meisten
Musiker-Webseiten" von unbekannten Musikern verirren sich im
Monat zwischen 5 und 20 Besucher.
Typische CD-Verkäufe liegen bei 5 Stück im Jahr, und wenn
Downloads" angeboten werden, dann geht es bei unbekannten
Musikern selbst bei kostenlosen kompletten Stücken meist um 50
Downloads pro Jahr. Werden diese bezahlt, dann redet man bei
bekannten Musikern nur von 5 bis 20 Stücken, die pro Monat
verkauft werden.
Die Anbieter der großen Sammel-Websites, die Telekom-Firmen
sowie die Server-Betrieber verdienen trotzdem an der Masse der Musik
recht gut Geld, selbst wenn kein Musiker bei Ihnen je einen Pfennig
sieht. Sie verdienen an Banner-Werbung, Telekom-Gebühren,
Server-Bereitstellung etc.
Schnell lernt man, daß ohne massive Werbung auch im Internet gar nichts geht:
Eine Website ist nichts anderes als ein Ladenlokal oder auch nur
ein Werbeschild, daß für jeden Konsumenten innerhalb von
Minuten erreichbar ist - genau wie Millionen anderer solcher Lokale
und Werbeschilder.
Im nicht-virtuellen" Leben würde man auch nicht erwarten,
berühmt zu werden, weil man an einer Kreuzung (und sei sie am
New Yorker Time Square", wo pro Tag angeblich eine Million
Konsumenten vorbeigeht) ein einziges Poster aufstellt -
bezüglich des Internets werden solche Träume noch eifrig
geschürt.
Immerhin hat jetzt jeder Musiker unabhängig von seinem Wohnort die Chance, an jedem Ort der Welt bekannt zu werden.
Das erhöht allerdings zwangsweise die internationale Konkurrenz. Jeder Musiker konkurriert jetzt um die Aufmerksamkeit der Massen der ganzen Welt.
Positive Effekte ergeben sich allerdings für die Musiker (und ihre Produzenten, Vermarkter etc.) auch in Hinsicht auf die Vertriebs- und Handels-Infrastruktur. Da viele Händler nicht in der Lage sind, alle Produkte auf Lager zu halten, ist die Lieferung über das Internet per Post eine sehr gute Möglichkeit, die Verfübarkeit von Tonträgern zu bieten, die heute im Tonträgerhandel immer schlechter wird.
Der Erfolg von Internet-Buchhändlern und Musikhändlern zeigt deutlich, daß das Publikum sehr wohl manche Tonträger und Bücher kaufen will und kauft, die viele normale Händler nicht vorrätig haben wollen oder können.
Das Internet löst für die Musik- und Buchbranchen vor allem logistische Probleme der Vertriebswege
Negativ betroffen sind davon die traditionellen Händler und
Vertriebsorganisationen.
Transportunternehmen profitieren ebenso wie Telekom-Firmen von dieser
Entwicklung, so lange noch Musik-CDs und nicht reine Musikdaten an
den Konsumenten geliefert werden.
Mit den Fortschritten der Übertragungstechnik kann man davon ausgehen, daß in ca. 2 Jahren Übertragungen mit 2 MBit/s (ADSL-Technik, Kabelmodems etc.) als Standard in den meisten Haushalten gelten werden.
In 5 bis 6 Jahren ist damit zu rechnen, daß sich die
nächste Generation der Mobiltelefone mit ähnlich hohen
Übertragungsraten durchsetzen wird - und dabei sind anstelle des
heutigen Handy" integrierte Internet-Computer/
Telefon-Kombinationen zu erwarten.
Durch die bessere Netzauslastung ist denkbar, daß unter
Umständen fast jeder Besitzer eines solchen Systems per
Standleitung zu minimalen Minutenpreisen mit dem Internet oder seinem
Provider verbunden ist.
Mit dieser Übertragungsgeschwindigkeit und den heute
existierenden Datenreduktionsverfahren sind sowohl Musik- als auch
Videodaten als Datenströme in guter Qualität realisierbar.
Tausenden von Internet-Radiosendern in hervorragender
Audioqualität steht nichts mehr im Wege - und durch
entsprechenden Preisverfall könnte es für den Konsumenten
auch finanziell akzeptabel werden, seinen Wunschsender unterwegs auf
dem Handy oder nebenher über seinen PC zu hören. Dabei hat
er die Auswahl zwischen tausenden von Sendern mit Spartenprogrammen
und/oder Hits - oder auch von Downloads, die er jederzeit wieder
abspielen kann.
Check out the sponsoring labels by clicking on the symbols:
Last Updated: 18.Juli 2000